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    Siegburg 1919: Jean Walterscheid hat den Krieg überstanden und privat sein Glück gefunden. Er heiratet Gertrud Buchholz aus Mülldorf (heute Teil von Sankt Augustin). Doch wie soll es beruflich weitergehen? Der 27-Jährige trifft eine mutige Entscheidung und wagt den Schritt in die Selbstständigkeit. Als passionierter Radfahrer beschließt er, Zahnkränze für Fahrräder zu drehen. Von seinem Arbeitsplatz in den inzwischen geschlossenen Siegburger Rüstungswerken hat er eine Drehbank übernommen. Er mietet eine ehemalige Waschküche in der Mühlengasse (heute: Mühlenstraße) und baut dort seine Drehbank auf. Sein Freund Adolf Mletzko, der auch Kompagnon der Firma wird, unterstützt ihn. Noch im September 1919 nimmt die Mletzko & Walterscheid Metallwarenfabrik den Betrieb auf. Die beiden Inhaber beschäftigen einen Arbeiter, sodass sie nun zu dritt arbeiten. Die Erfolgsgeschichte eines Unternehmens beginnt. Doch wer ist Jean Walterscheid?

    Johann Josef Walterscheid wird 1892 in Siegburg als Sohn der Eheleute Peter und Anna Walterscheid geboren. Er wird wie im Rheinland verbreitet in der französischen Form „Jean“ oder „Schäng“ gerufen. Nach dem Besuch der Volksschule beginnt er 1906 eine Lehre als Dreher bei den Königlichen Werken in Siegburg. Eingesetzt ist er im Feuerwerks-Laboratorium, einer der beiden Rüstungsfabriken. Sein Hobby ist der Radsport: 1908 wird er Mitglied des Siegburger Radfahrvereins. Nach der Ausbildung macht er einen kurzen Abstecher zu einer Firma in Hameln, bevor er 1912 wieder im Feuerwerks-Laboratorium beginnt. Er erlebt, wie die Waffenfabrik unter Hochdruck Rüstungsgüter für den Ersten Weltkrieg (1914–1918) produziert.

    Als der Erste Weltkrieg im November 1918 mit der Kapitulation Deutschlands endet, besetzen alliierte Truppen das Rheinland. In den Siegkreis ziehen zunächst Kanadier ein, später kommen Engländer und schließlich Franzosen. Zur französischen Besatzungszone gehört auch das rechtsrheinische Siegburg – als Teil des sogenannten Brückenkopfes um Köln. Das deutsche Militär muss die Region verlassen, Rüstungswirtschaft wird verboten. Am 13. September 1919 werden die Geschossfabrik und das Feuerwerks-Laboratorium geschlossen, den Beschäftigten wird gekündigt. Der Versuch, die Werke auf Friedensproduktion umzustellen, misslingt nach einigen Jahren. Nur wenige der zuletzt 27.000 Arbeitskräfte behalten ihren Arbeitsplatz und Jean Walterscheid gehört nicht dazu. Er wagt nun den Schritt in die Selbstständigkeit.


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